Verspätetes Interview mit Gintaras Bredies – Gewinner der 12h von Aston
28. August 2008 | Veröffentlicht in Interviews, LFS von Conner | 3 Kommentare
Das Rennen liegt zwar schon eine Weile zurück und eigentlich war auch ein Rennebricht im Rückspiegel mit diesem Interview geplant, daraus wurde allerdings nichts. Deshalb reichen wir das Interview mit dem Einzelkämpfer Gintaras Bredies von Wolfpack Racing auf diesem Wege nach. Viel Spaß beim Lesen!
Rückspiegel: Hallo Gintaras, Gratulation zu dieser Leistung, zwölf Stunden größtenteils fehlerfrei und ohne technische Zwischenfälle durchzustehen und dann auch noch zu gewinnen! Wolltest Du diesen Event von Anfang an alleine fahren oder sind Deine Teamkollegen alles nur Luschen?
Gintaras Bredies: Hallo Conrad und danke zur Gratulation. Aber du hast recht mit deiner Vermutung, meine Teamkollegen sind alles Luschen und ich bin der beste Mann im Zelt. Nein, Spaß bei Seite. Die meisten meiner Teamkollegen haben leider nicht mehr die Zeit, aktiv LFS zu spielen und erst recht nicht sich auf solch ein Langstreckenevent vorzubereiten. Und da ich das letzte 12h-Langstreckenrennen ebenfalls alleine gefahren bin, damals noch mit dem XRR auf Aston Historic Reverse, dachte ich mir, ich versuche es noch einmal alleine.
Rückspiegel: Mal abgesehen vom Streckentraining, wie hast Du Dich bzw. Deinen Computer vorbereitet, damit es eben nicht zu einem Disconnect kommt, der ja z.B. “Team SPEED-LINK” zumindest um einen Kampf um den Sieg gebracht hat?
Gintaras Bredies: Meinen Computer muss ich zum Glück nie viel vorbereiten, der läuft sehr stabil. Das einzige, was ich gemacht habe, waren Update- und Virenprüfungen. Allerdings werden das die meisten gemacht haben. Was meine Person angeht, habe ich am Freitag die Finger von LFS gelassen und war abends noch etwas Feiern. Erst als es Samstag so weit war, habe ich das Lenkrad wieder angefasst. Ich bin der Meinung, dass zu viel Training auch nicht gut ist.
Rückspiegel: Vielen Fahrern taten bereits nach nur zwei Stunden alle möglichen Körperteile weh und waren froh, dass der Fahrerwechsel erfolgte. Wie hast Du es geschafft, ohne Ermüdung und Schmerzen diese lange Distanz durchzuhalten? Fährst Du in einem Racing-Rig oder bist Du gar nur Rollstuhlfahrer?
Gintaras Bredies: Meine LFS-Rennen bestreite ich in einem 80 € teuren Ikea-Bürostuhl und mein Lenkrad ist an einem normalem Schreibtisch befestigt. Schmerzen hatte ich persönlich keine, eher den drang mal aufzustehen und mich einmal zu strecken. Ich denke Langstreckenrennen sind einfach eine Übungssache und davon hatte ich genug. Damals mein erstes 12h-Langstreckenrennen bei VR mit dem LX6 auf Kyoto National, dann der dSk Longrun Cup, der 3h dauerte, anschließend folgte wieder ein 12h-Langstreckenrennen bei VR mit dem XRR auf Aston Historic Reverse und momentan unser WolfPack Touring Car Cup (WPTCC), der 2h dauert. Am schwierigsten ist es mir wohl gefallen, bis zur Halbzeit durchzustehen. Ab da an ging es ziemlich schnell.
Rückspiegel: Die wahrscheinlich interessanteste Frage: Wie hast Du das Problem des “Wasser-Lassens” bewältigt?
Gintaras Bredies: Ich bin während eines Boxenstopps auf die Toilette gerannt. Als ich samstagmorgens aufstand, habe ich mir vorgenommen so wenig zu trinken, wie es eben geht. Daraufhin habe ich mir auch nur 2 Liter Sprudel an den Tisch gestellt und nach 2h angefangen an der ersten Flasche zu nippen. Mein Plan ging auf und die erste Flasche war erst nach 8h leer und ich musste nur einmal auf die Toilette.
Rückspiegel: Im After-Race-Thread gab es mehrere Beschwerden, dass die nGTR-Fahrer zu stark drängelten. Wie hast Du das Überrunden empfunden? Lief alles glatt oder kam es doch häufiger zu kritischen Situationen?
Gintaras Bredies: Das Überrunden klappte aus meiner Sicht ziemlich gut. Natürlich kam es auch zu kritischen Situationen, weil man sich einfach überschätzt hat. Man musste einfach Runde für Runde jeden Fahrer kennen lernen. Einige haben an Stellen Platz gemacht, wo die anderen kein Platz gemacht haben und so können natürlich Missverständnisse entstehen. Es war ein Geben und Nehmen und hat meiner Meinung nach gut geklappt.
Rückspiegel: Gibt es Dinge, die Deiner Meinung nach beim nächsten Langstreckenevent verbessert werden sollten?
Gintaras Bredies: Das einzige was mir da einfällt, ist, dass die Anmeldung beim nächsten Mal etwas früher kommen sollte. Wobei Volker Dudziak bereits im Forum berichtet hat, weshalb die Anmeldung etwas später kam und sich damit erledigt hätte.
Rückspiegel: Möchtest Du den Lesern noch etwas mitteilen?
Gintaras Bredies: Das war bereits mein drittes 12h-Rennen bei VR und dafür möchte ich mich herzlich bei der Orga bedanken. Ebenfalls ein großes Dankeschön an den Fahrer Jan Schulz, der im Rennen sehr viel Platz beim Überrunden gelassen hat – sogar zu viel. Ihm wäre ich freiwillig eine Runde hinterhergefahren.
Rückspiegel: Vielen Dank, dass Du Dir Zeit genommen hast.


29. August 2008 um 02:08 Uhr (#)
12 h alleine fahren ist mal extrem krass, dann auch noch gewinnen… ohne Worte! O_o
30. August 2008 um 10:43 Uhr (#)
schönes verspätetes Interview …
ich könnte das nicht, drink zu viel während ich LFS fahre :)
30. August 2008 um 12:01 Uhr (#)
Mein Respekt an alle Fahrer, die so eine Tortur durch halten und dann auch noch gute Platzierungen einfahren.